Geschichtswerkstatt St. Georg e.V.
Stadtteilbüro, Hansaplatz 9, 20099 Hamburg, Telefon und Fax 040 / 280 37 31St. Georg, den 15.10.2004
An die Mitglieder und Freunde der Geschichtswerkstatt
Liebe Freunde und Mitglieder,
anbei findet sich das jüngst fertig gestellte Ankündigungsblatt für unsere Reihe zum Thema „Hauptsache gesund! Zu Risiken und Nebenwirkungen...“ (beteiligen Sie sich an den Veranstaltungen!). In Kooperation mit anderen Stadtteilgruppen ist es wieder gelungen seit 1996 nunmehr zum 9. Male -, ein interessantes Programm mit einem guten Dutzend Angeboten auf die Beine zu stellen. Bei der Auswahl des Projektschwerpunkts hat uns vorrangig die anhaltende Diskussion um die sogenannten (Gesundheits-)„Reformgesetze“ inspiriert. Mit unseren begrenzten, nach wie vor rein ehrenamtlichen Mitteln wollen wir stadtteilbezogene Akzente zu einigen historischen und gesundheitspolitischen Aspekten setzen. Bei Interesse nehme man sich hierzu das „Editorial“ vor, wie unser kreativer Gestalter Harald Heck die Einleitung im Flyer nennt. Ansonsten bitte ich um Beteiligung an den verschiedenen Veranstaltungen im Zeitraum Oktober 2004 bis März 2005. Beispielsweise an der Ausstellungsgruppe „Jungbrunnen St. Georg“, die sich mit Aspekten von Krankheit und Gesundheit beschäftigen will, das nächste Mal am Donnerstag, dem 4.11.2004, um 16.30 Uhr, im Stadtteilbüro, Hansaplatz 9.
Da seit dem letzten Rundschreiben schon wieder ein gutes halbes Jahr vergangen ist, soll zumindest kurz einiges dem Vergessen enthoben werden.
Eingebracht hat sich der Verein bei der Auseinandersetzung um die Denkmäler auf dem Spadenteich. Dort ist am 2.4.2004 das Replikat der Kreuzigungsgruppe aus der Zeit um 1500 aufgestellt worden; das Original das Älteste, das wir in St. Georg heute noch haben steht wieder in der Turmkapelle der Dreieinigkeitskirche. Nicht die Aufstellung der Kreuzigungsgruppe ist umstritten, wohl aber die Beibehaltung des Standorts der benachbarten, 1987 von Horst Hellinger geschaffenen Stahlplattenskulptur, die auf den massiven Abbau der hamburgischen Schwer- und Werftindustrie verweist. Einige AnwohnerInnen und vor allem die Parteien SPD und CDU auf Bezirksebene haben sich für eine vermeintliche Verlagerung ausgesprochen (einige befürchten eher eine Einlagerung). Die Geschichtswerkstatt hat sich, zusammen mit dem Bürger- und dem Einwohnerverein, nachdrücklich für die Präsentation beider Denkmäler auf dem Spadenteich ausgesprochen, eine Position, die mittlerweile auch von der Kultursenatorin unterstützt wird und sich von daher durchsetzen dürfte.
Ein echtes Highlight war die vom Einwohnerverein und der Geschichtswerkstatt initiierte Feier zum 810jährigen Bestehen St. Georgs im Deutschen Schauspielhaus am 25.4.2004. Nahezu 500 BesucherInnen und 200 SängerInnen und MusikerInnen wohnten einer bewegten Geburtstagsfeier bei, in deren Mittelpunkt der Auftritt von acht mit dem Viertel verbundenen bzw. hier probenden und auftretenden Chören stand. Die Veranstaltung war nicht zuletzt eine echte Demonstration der kulturellen Stärken des Viertels, eine im Stadtteilbüro noch zu erhaltende kleine Broschüre legt davon beredtes Zeugnis ab.
Erst im Mai 2004 haben wir unser Jahresprojekt 2003/2004 zum Thema „Eine Lange Reihe des Wandels St. Georg im Umbruch“ abgeschlossen. An den überwiegend gut besuchten Veranstaltungen haben insgesamt mehr als 1.300 Personen teilgenommen, wobei die Aufführungen des Stadtteilchores Drachengold mit 400, der Vorstadtbühne St. Georg mit 210 und die Ausstellung zur Geschichte und Gegenwart der St. Georger Hauptstraße mit rund 250 BesucherInnen herausstechen.
Weiter entwickelt hat sich die Aktion „Stolpersteine“ für St. Georger Opfer des NS-Regimes. Wie bereits mitgeteilt, hat sich der Verein vorgenommen, im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahre für sämtliche Opfer jeweils einen Stolperstein im Gehweg vor dem letzten Wohnhaus der Betroffenen setzen zu lassen. Wir beauftragen damit jeweils den Kölner Bildhauer Gunter Demnig, der diese Initiative vor einigen Jahren begründet hat und pro hergestelltem und verlegtem Stein 75 Euro bekommt. Inzwischen gibt es in St. Georg 22 Stolpersteine, auch dank der aufwändigen Recherche-Vorarbeiten von Greta Gottschalk und Benedikt Behrens. Die Geschichtswerkstatt ist übrigens am symbolträchtigen 20.4.2004 von der Alfred-Toepfer-Stiftung mit einer Ehrenurkunde für das bürgerschaftliche, ehrenamtliche Engagement in Sachen Stolpersteine bedacht worden.
Zur finanziellen Situation der Geschichtswerkstatt St. Georg bzw. zu den Plänen der Ex-Kultursenatorin Dana H., die hamburgischen Stadtteilarchive zu zerschlagen, sei angemerkt, dass zumindest 2004 der Bestand der Stadtteilarchive gesichert ist. Zwar ist die Zuwendungshöhe von insgesamt 539.000 Euro (2003) auf 400.000 Euro (2004) zusammengestrichen worden, in St. Georg aber liegt die (geringe) Förderung unverändert bei 6.000 Euro. Zum Jahreswechsel geht die städtische Zuständigkeit für die Geschichtswerkstätten von der Kulturbehörde auf die fachlich kaum versierten Bezirke über, eine Entwicklung, die wir seitens des Vorstandes abgelehnt haben, aber nicht verhindern konnten. Die finanzielle Unterstützung der Geschichtswerkstätten in den nächsten Jahren ist gegenwärtig noch unklar, dürfte also von Etat- zu Etatberatung neu verhandelt und ggfs. erkämpft werden müssen. Jedenfalls haben wir, dank der Initiative vor allem von Rainer Schliemann, neue, Ordnung schaffende Regale im Stadtteilbüro angeschafft eine Investition in die von uns optimistisch gesehene Zukunft!
Primär werden wir in den nächsten Wochen mit der Umsetzung des Jahresprojekts 2004/2005 beschäftigt sein. Aber es gibt daneben natürlich weitere Aktivitäten....
Bereits drei Mal in diesem Jahr haben wir seitens des Vorstandes zu Veranstaltungen, die wir als Möglichkeit zum vierteljährigen Zusammentreffen verstehen, eingeladen. Dabei handelte es sich um einen Vortrag zur Auswandererstadt Hamburg (17.2.2004), das Literarische Menü (29.2.) sowie um die o.a. Chöre-Veranstaltung (25.4.). Jetzt laden wir gesondert hierzu ein:
• Sonntag, 7.11.2004, 11.00 bis 13.15 Uhr, Vortrag zur ehemaligen jüdischen Gemeinde Altonas - Besuch und Rundgang über den jüdischen Friedhof an der Königstraße, veranstaltet von der Geschichtswerkstatt, Kostenbeitrag: 6 Euro, Anmeldung Tel. 280 078 55 oder 42 854-79 70 (Karla Fischer).
• Freitag, 19.11., und Samstag, 20.11.2004, jeweils 20 Uhr, Aula Gymnasium Klosterschule, Westphalensweg 7, Revue des Stadtteilchores Drachengold zum Thema „Leben gefährdet die Gesundheit“, 7 Euro, ermäßigt 5 Euro.
• Weiter sei darauf hingewiesen, dass wir wieder ein Treffen unter dem Titel „Neu(gierig) in (auf) St. Georg?“ veranstalten, vorrangig für alle NeueinsteigerInnen im Viertel: Dienstag, 26.10.2004, 19 Uhr, Stadtteilbüro, Hansaplatz 9, Kostenbeitrag 2,50 Euro.
• Und zuguterletzt ein Tipp für GartenfreundInnen. Noch bis zum 4.12.2004 läuft in der Staats- und Universitätsbibliothek eine Ausstellung verschiedener Geschichtswerkstätten unter dem Motto „Hamburg Stadt der Parks“. Die Eröffnung ist für Mittwoch, den 20.10.2004, um 16 Uhr im Katalogsaal (1. Stock), vorgesehen.
Ich wünsche allen interessante Projektveranstaltungen und ein paar schöne Herbsttage!
Michael Joho