Mit dem diesjährigen Projekt der St. Georger Geschichtswerkstatt blicken wir zurück auf den Stadtteil vor 100 Jahren. Das Jahr 1906 spielt in der Hamburger Stadtgeschichte eine besondere Rolle, fand hier doch z. B. am 17. Januar der erste Generalstreik in Deutschland statt; er richtete sich damals gegen eine geplante Wahlrechtsverschlechterungen und markiert den Anspruch der Arbeiterbewegung auf Beteiligung am politischen Geschehen. In baulicher Hinsicht sind im Jahre 1906 vor allem die Einweihung des Bismarck-Denkmals an der Helgoländer Allee (2. Juni), der Synagoge am Bornplatz (13. September), des Hauptbahnhofs an der Kirchenallee (5. Dezember) und des Gewerkschaftshauses am Besenbinderhof (29. Dezember) erwähnenswert. Die beiden letztgenannten Ereignisse haben unmittelbar mit St. Georg und seiner Bedeutung als Aufnahmeort zentraler Einrichtungen der Stadt zu tun. Wenn wir uns mit unserem Veranstaltungsprojekt in der Zeit von Oktober 2006 bis März 2006 vor allem dem Hauptbahnhof – und am Rande auch dem Gewerkschaftshaus – zuwenden, dann deshalb, weil dieser Verkehrsknotenpunkt St. Georg maßgeblich (ge)prägt (hat) und zum Hauptbahnhofviertel macht(e). Täglich 3 bis 400.000 Menschen bewegen sich auf und unter dem Hauptbahnhofgelände und zeitigen eine Unzahl an Hotels, Gaststätten und Stätten des so genannten Vergnügungsgewerbes in der näheren Umgebung. Mit unserem Projekt wollen wir den engen Verbindungen zwischen dem Stadtteil und seinem Hauptbahnhof nachspüren, den historisch gewachsenen Abhängigkeiten Aufmerksamkeit zollen, aber auch die Problemlage einer Institution beleuchten, die für Hunderte, wenn nicht gar Tausende Menschen Lebensmittelpunkt geworden ist. Nicht zuletzt wird es aber auch darum gehen, die mit einem Bahnhof verbundenen Hoffnungen und Ängste zu betrachten: Heim- und Fernweh, Los- und Zurücklassen, Rückkehr und Verlassenheit… Wir laden Sie ein, sich auf eine Reise zu begeben, die ihren Ausgangs- und Endpunkt in uns selbst findet.

Die Geschichtswerkstatt St. Georg e.V., im Oktober 2006

Stadtteilrundgang

„Rund(gang) um den Hauptbahnhof – zum 100. Geburtstag des Hamburger Centralbahnhofs“
Stadtteilerkundung der Geschichtswerkstatt St. Georg e.V.
Der ca. zweistündige Rundgang führt einerseits unter historischen Gesichtspunkten um den Hauptbahnhof herum, andererseits werden wir mit Unterstützung des Bahnhofsmanagements markante Punkte im Innern anschauen, um den gegenwärtigen Ablauf besser verstehen zu können. (5,- Euro/ermäßigt 3,- Euro)
Montag, 9.10.2006, 17.30 Uhr
Treffpunkt: Eingang Deutsches Schauspielhaus, Kirchenallee 39

Ausstellungen

„Bahn frei! 100 Jahre Hauptbahnhof“
Die Entwicklung des Hauptbahnhofs von seinen Planungen Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart wird auf rund 30 Bild- und Texttafeln nachvollzogen. Es geht dabei nicht nur um die technischen Aspekte, sondern u. a. auch um die Bedeutung der Einrichtung als Anlauf- und Aufenthaltsort für suchende und entwurzelte Menschen.
Diese Ausstellung der Geschichtswerkstatt St. Georg e.V. wird eröffnet am
Samstag, 18.11.2006, 15.00 Uhr
(mit ZeitzeugInnen-Berichten und Liedern vom Chor des Gymnasiums Klosterschule)
Präsentation vom 18.11. bis zum Freitag, 22.12.2006 im Kulturladen, Lange Reihe 111

„Anfang oder Ende der Träume?“
Ausstellung mit Fotos von Marily Stroux und Texten von Migrantinnen, aufgeschrieben von Liane Lieske. Unterstützt vom Einwohnerverein St. Georg und der Geschichtswerkstatt St. Georg
Anfang der 60er Jahre kamen die ersten sog. „Gastarbeiterinnen“ am Hamburger Hauptbahnhof an: Frauen aus Italien, Spanien, Portugal, Ex-Jugoslawien, Griechenland, der Türkei,... Mit welchen Erwartungen und Träumen kamen sie? Voller Hoffnung auf ein neues, besseres Leben? Mit Ängsten vor dem fremden Land? Was ist aus ihnen geworden? Jede ein eigenes Schicksal und doch Gemeinsamkeiten.
Vernissage am Sonntag, 4.2.07 um 15 Uhr
mit den beteiligten Frauen und Kaffee + Kuchen
Sonntag, 4. 2. – Freitag, 2. 3.2007
Kulturladen St. Georg, Lange Reihe 111

Revue

„Zwei fremde Augen – ein kurzer Blick“
Eine Revue zum 100. Geburtstag des Hauptbahnhofs
Von und mit dem Chor „Drachengold“ unter der musikalischen Leitung von Matthias Botsch
Schon der Hauptbahnhof selbst ist Geräusch und Rhythmus, eigentlich pure Musik. Schnell, schnell, Hetze, Hetze – Ruhe, Rast, Warten, Hoffen, Bangen.
Die Menschen am Bahnhof – abgefahren, angekommen, ausgestiegen. Manche kommen niemals zurück, manche bleiben für immer hier.
Der Chor präsentiert Lieder und Szenen von den Begegnungen am Bahnhof in gewohnter Mixtur: Von Schubert bis zu den Beatles, von Eisler bis zu den Prinzen.
Freitag 1.12.2006, 20.00 Uhr
Samstag, 2.12.2006, 20.00 Uhr

Aula Gymnasium Klosterschule, Westphalensweg 7
Eintritt: 7,- Euro/ermäßigt 5,- Euro

Festwoche

Montag, 4.12., bis Samstag, 10.12.2006:
Festwoche des Hauptbahnhofs zu seinem 100. Geburtstag mit einem Hauptaktionstag am 6.12.2006

Diskussions- und Infoveranstaltung

„100 Jahre Bahnhofsviertel? Zum Verhältnis von Hauptbahnhof und Stadtteil“
Podiumsdiskussion des Einwohnervereins St. Georg von 1987 e.V. mit Meent Adden (KIDS), Ulrich Hermannes (Bahnhofsmission) und VertreterInnen des Hauptbahnhofs
Die Podiumsdiskussion zielt vor allem darauf ab, über die gegenwärtigen Beziehungen zwischen Stadtteil und Bahnhof zu diskutieren. Wer prägt da eigentlich was und wie? Ist der Bahnhof nur eine zentrale „Visitenkarte der Stadt“? Lassen sich die Auswirkungen des Hauptbahnhofs zum Gegenstand gemeinsamer Bemühungen machen?
Mittwoch, 24.1.2007, 20.00 Uhr
Neuer Gemeindesaal, Stiftstraße 15

Zeitzeuginnen

„Frauen unterwegs – seit 100 Jahren Hauptbahnhof“
Veranstaltung des Frauen-Arbeitskreises der Geschichtswerkstatt St. Georg e.V. und der Gewerkschaft Ver.di, mit Peggy Parmass und weiteren Zeitzeuginnen
Was 100 Jahre Hauptbahnhof für die Frauen unterwegs und die in ihm Arbeitenden heißt, dieser Frage gehen Frauen aus der Geschichtswerkstatt St. Georg nach. Sie nehmen – zusammen mit Kolleginnen der Gewerkschaft Ver.di – das Jubiläum zum Anlass, die Perspektive von Frauen unterwegs zu beleuchten: als Lokführerinnen, Trebegängerinnen, als vor den Nazis Geflüchteten, Migrantinnen, billige Arbeitskräfte oder als Frauen, die dem Frauenhandel zum Opfer gefallen sind.
Dienstag, 13.2.2007, 19.00 Uhr
Ver.di-Center im Gewerkschaftshaus, Besenbinderhof 60

Literarisches Menü

„Einsteigen, bitte!“
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen: Was für den einen Kosmos Bahnhof, ist für den anderen fremde Welt; was für die eine Entdeckungsfahrt, ist für die andere Kraftakt; was für den einen Flucht, ist für den anderen Reise ins Glück; was für die eine Arbeit, ist für die andere Freizeitvergnügen – eine LiteraTour mit Eßpausen.
(15,- Euro, inkl. Buffet, ohne Getränke), Anmeldung unter Tel. 280 078 55
Sonntag, 25.3.2007, 11.00 – 15.00 Uhr
Geelhaus, Koppel 76

Theater

„Bahnhof. Adieu“
Ein Theaterstück frei nach Denise Bonal präsentiert von der Vorstadtbühne St. Georg
Der Bahnhof: immer lärmendes Drehkreuz der Unruhe, Treffpunkt sowieso und Hoffnungspol des Begehrens, Bühne für die zufälligen Augenblicksbekanntschaften, aber auch Endstation Sehnsucht. Wartezone für die kleinen und die großen Fluchten. Hier spielen die Szenen des Abschieds und auch des Wiedersehens, in denen sich die wichtigsten Momente im Leben der Protagonisten herauskristallisieren. Schlaglichter fallen auf Schicksale, deren Geheimnisse manchmal entschlüsselt werden, manchmal im Dunklen bleiben. Ein Stück, in dem nicht die Erzählung, sondern der Ort die Szenen zu einer Einheit verbindet. Was in dem einen Augenblick entsteht, ist im nächsten schon verändert. Wie im Traum. Oder im Leben.
Freitag, 20. April 2007, 20 Uhr
Samstag, 21. April 2007, 20 Uhr

Aula Gymnasium Klosterschule, Westphalensweg 7 (U/S-Bahn Berliner Tor)
Eintritt: 7,- Euro, ermäßigt 5,- Euro