Hempel

„Die Gegend St. Georgii bey Hamburg ist höchst angenehm. Sie ist wie eine Insul mit Wasser umgeben."
So hat das Johann Balthasar Hempel 1722 gesehen, der Verfasser des ältesten Buches über diesen Hamburger Stadtteil.

Die Geschichts-
werkstatt
St. Georg muß überleben!

Auch im 18. Jahr ist unsere Zukunft ungewiß. Nach wie vor sind die öffentlichen Zuwendungen so dürftig, dass wir auf Ihre Hilfe angewiesen sind.
Unser Unterstützungsaufruf informiert darüber, wie Sie uns helfen können.

Der Vorstand hat viele Gesichter

Nach der Vorstandswahl am 18. Januar 2007. Von l.n.r.: Regina Jürgens (Schriftführerin), Rita Kreis (Beisitzerin), Karla Fischer (2. Vorsitzende), Sandra Landwehr (Schatzmeisterin), Tobias Katz (Beisitzer) und Michael Joho (1. Vorsitzender) [Foto: Rainer Schliemann]

Brennpunkt?

275 Jahre später lesen wir in einer x-beliebigen Zeitschrift - nehmen wir den "Spiegel" Nr. 28/1997 - von St. Georg als "der verlorenen Meile nördlich des Hauptbahnhofs", gezeichnet von Drogen, Prostitution und Kriminalität. Je nach Standpunkt und Interessenlage scheinen gerade solche, zwischen dörflicher Idylle und sozialem Brennpunkt zu verortenden Vierteln reichlich Projektionsflächen für Wünsche und Ängste (groß)städtischen Lebens zu bieten.

Sie möchten die Geschichstwerkstatt St. Georg unterstützen

Sie können der als gemeinnützig anerkannten Geschichtswerkstatt Geld spenden, entweder einmalig oder regelmäßig, und zwar auf das Konto Nr. 1230/122 713, bei der Hamburger Sparkasse, Bankleitzahl 200 505 50. Selbstverständlich gibt es für alle Spenden über 10,- Euro eine Spendenbescheinigung.


Gründung 1990

In einem solchen Umfeld hat sich am 6. Dezember 1990 die „Geschichtswerkstatt St. Georg e. V." gegründet. Sie ist bis heute ein rein ehrenamtlich engagierter Verein geblieben, der inzwischen gut 80 Mitglieder umfasst, darunter den alternativen Einwohner- wie den eingesessenen Bürgerverein ebenso wie die katholische Domgemeinde und die ev.-luth. Kirchengemeinde.

Schweine halten erlaubt

Sich mit der gut 800jährigen Geschichte dieses Stadtteils zu beschäftigen, heißt vorrangig, die Entwicklung der sozialen Problematik der Metropole Hamburg nachzuvollziehen. Jahrhundertelang vor den Toren der Stadt gelegen, wurde hier das erste, nach St. Georg benannte Leprahospital angesiedelt, die Schweineweide war hier gelegen, weil das Halten der Borstentiere innerhalb der Stadtumwallung wegen der vermeintlichen Pestgefahr verboten war, die gefährliche Pulvermühle hat hier ebenso wie der städtische Galgen gestanden, Gerbereien, Abdeckerei und Gassenkummerplatz (die mittelalterliche Mülldeponie) sorgten für eine wenig anheimelnde Atmosphäre. Immer wurde St. Georg seitens der Stadt als Aufnahmeort unangenehmer Einrichtungen, problematischer Erscheinungen und störender Elemente definiert, ein roter Faden, der sich bis in die Gegenwart nachvollziehen ließe. Nicht zufällig unterstellt man den St. GeorgerInnen heute ein besonderes Maß an Toleranz gegenüber verschiedensten Lebensweisen.

Historischer Arm

In einer solchen Umgebung lässt sich nicht nur Heimatgeschichte aufarbeiten, wer sich mit der Vergangenheit dieses Viertels auseinandersetzt, wird immer wieder auf gegenwärtige Auswirkungen und Probleme kommen. So versteht sich die Geschichtswerkstatt als der "historische Arm" vielfältiger Stadtteilbewegungen, die es zu begleiten, geschichtlich zu untermauern und zu inspirieren gilt. Die meisten der in diesem Verein tätigen Mitglieder sind gleichzeitig auch in dem einen oder anderen kommunal-politischen Zusammenhang engagiert. Und das ist gut so!

Vernetzung

Der Verein versteht sich als Teil der Stadtteilkultur, engagiert in einem Viertel, das oft als sozialer Brennpunkt bezeichnet wird. Die Mitglieder versuchen, unter dem gemeinsamen Dach der Stadtteilgeschichte zur Vernetzung der vielfältigen, vor Ort ansässigen Einrichtungen, Vereine und Initiativen beizutragen. Insofern hat die Geschichtswerkstatt wiederholt die Rolle eines Zulieferers historischer Informationen für verschiedene Gruppen gespielt, woraus eine Reihe von Veranstaltungen und Publikationen hervorgegangen sind (z.B. in Zusammenarbeit mit dem AK St. Georg, der Caritas und den Kirchengemeinden). Eine enge Verbindung besteht zu den Schulen und Kindertagesheimen, mit denen bei verschiedenen Ausstellungen und Rundgängen kooperiert wurden (etwa im Rahmen einer Ausstellung zu 80 Jahren Poesiealben).
Darüber hinaus tritt die Geschichtswerkstatt selbstverständlich auch mit eigenen Veranstaltungen in Erscheinung, wobei die Palette Veranstaltungen und Rundgänge, Zeitzeugenbefragungen und Diavorträge, Ausstellungen, Zeitschriftenaufsätze und Buchpublikationen umfasst. Nicht zuletzt sind Mitglieder des Vereins in den Stadtteilgremien präsent, gestalten Stadtteilfeste mit und gehören zu den Initiatoren der Ende September 2002 zum dritten Mal stattfindenden St. Georger Kinder- und Jugendmesse. Nicht zu vernachlässigen ist auch die Bedeutung der Geschichtswerkstatt als allgemeine Anlaufbasis für St. Georg und speziell für Informationsanfragen aus dem Stadtteil (insbesondere von SchülerInnen) und von außerhalb (überwiegend von ehemaligen AnwohnerInnen, aber auch von Instituten und StudentInnen). Neben dem persönlichen Kontakt spielt dabei das seit zehn Jahren im Aufbau befindliche Stadtteilarchiv eine zentrale Rolle, finden sich hier doch mittlerweile ca. 1.000 Bücher, 2.000 Fotos, Plakate, Interview-, Film- und Rundfunkmitschnitte sowie Tausende von Zeitungsausschnitten und Flyern zur St. Georger Geschichte.
Die inhaltlichen Schwerpunkte des Engagements der Geschichtswerkstatt spiegeln sich u.a. in etlichen Veranstaltungsplakaten, Zeitungsartikeln und in den Ausgaben der „St. Georger Konturen“, der historischen Stadtteilzeitschrift des Vereins wider. Im Mittelpunkt standen: 1990/91 die Aufarbeitung und Präsentation der Stadtteilgeschichte im Überblick, 1991/94 das Kinder- und Jugendleben im Hauptbahnhofviertel in den vergangenen 80 Jahren, 1994 die vom Verein koordinierte St. Georger 800-Jahr-Feier, 1995 der 50. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus, 1995/96 das Thema MigrantInnen. Seit 1996 widmet sich der Verein neben Einzelveranstaltungen regelmäßig einem Jahresschwerpunkt, der von Frühjahr an vorbereitet und im Herbst/Winter präsentiert wird. So standen 1997 z.B. die 1950er Jahre im Mittelpunkt und 1998 die Revolution 1848. In 2006 standen das 100jährige Jubiläum von Hauptbahnhof und Gewerkschaftshaus im Mittelpunkt der Projekte.
Die Bedeutung des Stadtteilbüros für weitere Stadtteilgruppen (z.T. als Untermieter), der Umfang des Stadtteilarchivs und vor allem die angewachsenen Aktivitäten des Vereins und seiner Gruppen selbst hatten ihn veranlasst, zum 1. Oktober 2002 in größere, zentraler gelegene Räumlichkeiten am Hansaplatz umzuziehen. Dies wird vom Verein nicht zuletzt dahin gehend verstanden, zur Belebung dieses Brennpunkts im Bewohnerinteresse beizutragen.